Florian Amrhein

ISDN-Telephone

-> VoIP -> isdn-telephon

Ein einziges, schnurgebundenes, Telephon war mir zu wenig. Ich wollte auch mobil Telephonieren können.

Das logischste wäre hier nun ein WLAN SIP-Telephon gewesen, leider sind diese immer noch unverschämt teuer.

Eine deutlich günstigere Alternative sind hier klassische DECT-Telephone, die es sowohl für ISDN- als auch für analoge Telephonanschlüsse gibt.

Das einfachste wäre nun gewesen, einen SIP-Adapter zu kaufen, an den man ein analoges Telephon anschließen kann, und an diesen nun ein billiges analoges DECT-Telephon.
Dies hätte jedoch folgende Nachteile gehabt
  • Es ist analog, und analog ist in einer doch nun so schön digitalisierten Welt abzulehnen
  • analogen Telephonen fehlen viele schöne Komfortmerkmale wie die Anzeige von Text
  • an eine analoge DECT-Basisstation kann man zwar auch mehrere Mobilteile anschließen, aber nur eines könnte gleichzeitig raustelephonieren
  • Den verschiedenen Mobilteilen könnten nicht verschiedene MSN (Telephonnummern) zugewiesen werden, so daß man nicht einzelne Mobilteile adressieren kann, und bei eingehenden Anrufen immer alle klingeln würden.

Für ISDN-Telephone gibt es bislang leider keinen Adapter, so daß dies nicht so leicht umzusetzen ist. Aber dafür gibt es etwas viel besseres, und vor allem viel günstigeres!

Cologne-Chip


Die Firma Cologne Chip stellt ICs für ISDN-Karten her, die von vielen Herstellen solcher Karten verwendet werden. Diesen Karten haben durch diesen "Wunderchip", der HFC-S heißt, eine sehr praktische Eigenschaft gemein: Sie lassen sich in den sogenannten "Host Mode" versetzen.

Im Host Mode verhält sich die Karte, wie als wäre sie eine Vermittlungsstelle einer Telephongesellschaft, was bedeutet, man kann an diese Karte ISDN-Geräte anschließen. Man kann diese Karte also benutzen, um einen internen S0-Bus für Asterisk bereit zu stellen.

Bei der Firma Junghanns, die ansonsten Spezialhardware für Asterisk und Treiber dafür herstellt, bekommt man nun eine Erweiterung für Asterisk, "bristuff" genannt, die eine solche Karte von Cologne Chip ansteuern kann.

Auf diese Weise hat meine Asterisk-Telephonanlage nun einen internen S0-Bus bekommen, an den ich nun beliebige Geräte anschließen kann.

Verkabelung


Um an die HFC-Karte Geräte anzuschließen, muß man eine ISDN-Dose mittels gekreuztem Kabel an die Karte anschließen, zudem müssen Abschlußwiederstände angebracht werden.

Eine schöne Lösung ist es, statt einer ISDN-Dose einen NTBA (falls man einen solchen irgendwo abstauben konnte) anzuschließen. Der NTBA kann nun angeschlossene ISDN-Geräte mit Strom versorgen - falls sie nicht eh schon eine eigene Stromversorgung mitbringen.

Der NTBA bringt zwei ISDN-Dosen mit, an die man nun ISDN-Geräte anschließen kann.



Auf diesem Bild sieht man den NTBA, aus dem drei Kabel raus kommen: Oben zwei ISDN-Kabel, die zu zwei ISDN-Geräten gehen, und darunter eines, welches zu meinem Server zu der HFC-S Karte geht.


(Lizenzinformationen zu diesem Bild

Auf diesem Bild sieht man den geöffneten NTBA. Das Kabel zu der HFC-S Karte habe ich an grünen Klemmen oben angeschlossen, die mit den ISDN-Ports verdrahtet sind.

Die mit UK0 beschriftete Buchse bleibt frei. Sie ist Normalerweise dafür gedacht, an die beiden Kupferadern von einer normalen Telephongesellschaft angeschlossen zu werden.

Terminal-Adapter


In einer Krempelkiste meiner Freundin fand ich nun noch einen alten Terminal-Adapter der Telekom. Dies ist eine simple ISDN-Telephonanlage, an die man bis zu zwei analoge Telephone anschließen kann.
Ich verwende ihn, um ein einfaches analoges Telephon anzuschließen, aber man könnte auch ein billiges DECT-Telephon, mit den oben beschriebenen Nachteilen, hier anschließen.

Man könnte nun auf die Idee kommen, auch ein analoges Fax hier anzuschließen. Leider funktioniert das entweder garnicht, oder nur sehr eingeschränkt. Nähere Informationen dazu gibt es hier und hier.



DECT-Telephon


Ich habe mir nun das BeeTel 440i von DeTeWe gekauft, welches ein schnurloses ISDN-Telephon ist. Dieses habe ich an den NTBA angeschlossen, und damit mit Asterisk verbunden.

Das schöne an diesem ISDN-Telephon ist, daß es ISDN-Text unterstützt. Dies bedeutet, daß Asterisk dem Telephon beim Aufbau von Gesprächen oder bei eingehenden Anrufen kurze Texte übermitteln kann, welches dieses dann anzeigt. Ich nutze das unter anderem dazu, um bei eingehenden Anrufen den Namen des Anrufers anzeigen zu lassen, ohne daß dieser im lokalen Telephonbuch des Telephons selbst gespeichert sein muß. Hier reicht es aus, daß der Name in meiner Zentralen Rufnummerndatenbank meines Servers gespeichert ist. Im nächsten Kapitel werde ich darauf näher eingehen.

ISDN-Text ist etwas anderes als SMS, was dieses Telephon auch unterstützt. Bei ISDN-Text wird ein kurzer Text direkt auf das Display des Gerätes übermittelt, so daß z.B. bei einem eingehenden Anruf der entsprechende Text zu sehen ist, statt der Nummer des Anrufers. Bei SMS landen Nachrichten in einem Eingangsordner des Telephon, wo sie manuell abgerufen werden müssen. Zudem werden SMS nicht während eines aktuell Laufenden Gesprächsaufbaus gesendet.
Wie genau verschiedene Telephon jedoch ISDN-Text Nachrichten anzeigen weiß ich jedoch nicht. Mein BeeTel macht es jedoch exakt so, wie ich es gehofft hatte.

Dem momentan einzigen Mobilteil an der DECT-Basisstation habe ich zwei interne Rufnummern (MSNs) zugewiesen: 41 und 42, für mich und meine Freundin. Dies wäre nicht notwendig, eine MSN würde völlig genügen, hat aber den Vorteil, daß ich im Telephon verschiedenen MSNs verschiedene Klingeltöne zuweisen kann, so daß man auch am Klingeln des Telephons erkennt, für wen der Anruf ist.



Konfiguration

Das meiste läuft automatisch, wenn man bristuff konfiguriert.

Lediglich in der zapata.conf muß folgendes angegeben werden:

context=rauswaehlen


Nur so weiß Asterisk, daß die angeschlossenen ISDN-Telephone raustelephonieren dürfen.

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